Eine Herzensangelegenheit.

Seit nun über zehn Jahren kenne ich Plan International. Seit über zehn Jahren wollte ich auch ein Teil davon sein. Etwas Gutes tun – und nicht mehr nur davon reden. Als Jugendliche fehlte mir das Geld und man hatte noch andere Prioritäten (ob diese nun so wichtig und toll waren seien mal dahingestellt). Doch die Organisation habe ich nie aus den Augen verloren und stets mal unter die Lupe genommen.

Vor zwei Monaten stand mein Entschluss fest. Ich möchte ein Stückchen von meinem Glück mit jemandem teilen, der ein bisschen mehr Hilfestellung braucht. Da ich natürlich einen direkten Bezug zu China habe (und mich einfach wahnsinnig verbunden zu meiner Heimat und den Menschen dort fühle), stellte sich die Frage erst gar nicht, aus welchem Land ich ein Kind unterstützen würde. Zwischen uns gibt es keine Sprachbarriere und da ich sowieso jedes Jahr in China bin, werde ich mir auch alles vor Ort anschauen können.

Ich habe recht lange warten müssen, bis dieser Brief – meine Patenmappe – endlich in meinem Briefkasten auf mich wartete. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich über diesen Brief gefreut habe. Als Blogger wird man reichlich von Unternehmen verwöhnt – tolle Päckchen und Pakete sind keine Seltenheit. Doch dieser Brief ließ mein Herz hüpfen. Mehr als meine Alexander Wang es damals geschafft hat. Mehr als es jemals etwas Materielles schaffen wird. Ich kann es selbst nicht glauben, wie emotional mich dieser Brief berührte. Ich habe das Foto und den Steckbrief von dem Mädchen gesehen, dem ich monatlich mit 25€, umgerechnet etwa 210 RMB, was in ländlichen Gebieten in China eine wirkliche finanzielle Hilfe ist, und mir kamen die Tränen.

Sie könnte ich sein. Oder ich sie.

Wovon träumt sie mit ihren fünf Jahren? Was wünscht sie sich für ihre Zukunft? Wovon träumen Ihre Eltern, die genau so alt sind wie ich? Sie wohnt mit ihren Eltern und der Oma (alle vom Beruf aus Bauer) in einem “Haus aus Ziegeln mit einem Dach aus Zement und einem Fußboden aus Zement“. Zum Kochen dient Stroh als Brennmaterial und sie nutzen eine Grubenlatrine. Für uns unvorstellbar oder? Wir haben weiche Teppiche unter den Füßen, tolle Dekorationen für unser Zuhause, bequeme Sofas und Prinzessinnenbetten. Doch ständig haben wir etwas zu jammern. Wir sind absolut nicht leidensfähig. Kein bisschen. Wir jammern auf echt hohem Niveau. Das habe ich schon immer gehasst.

Mit 25€ im Monat kann man helfen und einer Familie unter den Armen greifen. So einfach ist das. Klar ist das viel Geld. Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er dies nicht aufbringen kann. Auch für mich sind 25€ im Monat viel – weil ich mir gegenüber ein kleiner Geizhals bin. Ich gehe nicht zum Frisör und schneide mir die Spitzen selbst – mit Sicherheit nicht, weil es mir so sehr Spaß macht. Nein, ich bin einfach nur zu geizig dafür. Für das Geld kaufe ich lieber meinen Eltern oder meinem Freund etwas und mache ihnen eine Freude. Seit über zwei Jahren will ich die Ash Boots mit Nieten – ich bringe es einfach nicht übers Herz, 320€ dafür auf den Tisch zu legen. Aber die 25€ im Monat (im Jahr macht das ein paar Ash Boots), die tun mir nicht weh. Die machen mich glücklich.

Uns geht es so gut. Wir sollten dankbar sein. Ich freue mich, wenn auch nur ein/e Leser/in sich über eine Patenschaft bei Plan informiert (oder sonst einer glaubwürdigen Organisation) und einer Familie unter die Arme greift, denen es nicht so gut geht wie uns. Vielen Dank dafür!

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Love,
Summer

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