Blogging for dummies pt 2. – Kooperationen oder “möchte ich ein Ramschladen sein?“

Willkommen zum 2. Teil von “Blogging for Dummies“ – Es freut mich sehr, dass es so gut bei euch ankommt. Ich wollte zuerst alles in einen Post mit Tipps packen, aber ich habe zu jedem Thema einfach zu viel zu sagen um das in einem einzigen Post abzuarbeiten – und so könnt ihr euch auch besser beteiligen 🙂 Also danke für euer Feedback.
Wenn man einen Blog anfängt, sollte man sich klar werden, ob ihr aus Spaß und Freude bloggen wollt oder ob ihr gaaanz viele kostenlose Sachen abgreifen wollt.

Ich finde Kooperationen auf Blogs gut und wenn sie qualitativ schön gestaltet sind auch sehr ansprechend – allerdings gibt es hier ein paar Regeln, an die man sich halten sollte.
pixlr (26)
1. Werbung sollte als Werbung erkenntlich sein

Bloggersicht: Wie die meisten von euch bin auch ich der Meinung, dass Werbung/Kooperationen gekennzeichnet werden sollten. Wenn man dies nicht tut, hat das irgendwie einen negativen Beigeschmack und macht sowohl Blogger als auch das Unternehmen für mich unsympathisch (Weshalb soll es vertuscht werden? Gibt’s da etwas zu verbergen?). Wenn ich auch nur den leisesten Hauch von Zweifel habe ob ein Post nicht doch eine bezahlte Werbung ist, klicke ich nicht auf den Link oder bin dann extrem skeptisch bei den Reviews.

Aktuelles Beispiel ist die Kampagne von Mango anlässlich der Kate Moss for Mango Kollektion. Auf diversen Blogs liest man überall das gleiche – wie toll Mango ist und so weiter… Die meisten haben das als “gesponsorter Post“ gekennzeichnet (find ich gut) – umso schlimmer aber, dass manche das nicht tun und den Lesern mit einem: “Oh, heute möchte ich euch die neue Kollektion vorstellen, die ich durch Zufall entdeckt habe… sie ist sooo suuuper… top…. wuuuunderbar. bla“ – irgendwie bekomme ich bei sowas eine Antihaltung. Ich fühle mich dann für dumm verkauft.

Summer: Ich finde nicht, dass man die Kennzeichnung übertreiben muss, aber ein kleines *sponsored* sollte drin sein – oft ist die Werbung auch so offensichtlich, dass man es nicht zusätzlich noch kennzeichnen muss. Bei mir seht ihr im Falle einer Werbung im Label ’sponsored‘.
Denn wie gesagt, wir Blogger sind eine Werbeplattform und werben tagtäglich für H&M oder Zara ohne mit der Wimper zu zucken und Geld von ihnen einzufordern, aber da spielen ganz andere Motivationen eine Rolle als bei bezahlter Werbung und vor allem sind unabhängige Empfehlungen in den meisten Fällen absolut ehrlich im Gegensatz zu erkaufter Werbung – was nicht ausschließt, dass eine Weiterempfehlung bei einer bezahlten Werbung ebenso ehrlich ist!
Außerdem haben wir als Blogger eine gewisse Verantwortung zu tragen – oft gegenüber sehr jungen Mädchen und diese sollten wir nicht unnötig anfixen.

Marketingsicht: Dass Unternehmen über Blogger werben ist absolut verständlich und in Ordnung, aber das Briefing ihrerseits sollte definitiv besser werden. Oft sehe ich qualitativ wirklich schlechte “Werbung“ und frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sich die Unternehmen intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt hätten bevor sie Werbung auf Blogs schalten. Natürlich kann ich das nicht genau wissen – aber ich würde behaupten, dass wenn sie sich genauer mit Bloggern und Blogs auseinandergesetzt hätten, dann würden sie ihre Wahl besser treffen. Auch die Persönlichkeit eines Bloggers sollte beachtet werden. Wie gesagt, es gibt Blogger, die meiner Meinung nach keine Vorbildfunktion haben oder extrem arrogant sind, so dass ich nicht verstehen kann, wie man sie als Werbeträger nehmen kann. Natürlich wäre das mit einem großen Aufwand verbunden. Ich ertappe mich und meine Freunde, mit denen ich über solche Sachen diskutiere oft, dass wenn die “falsche Person“ etwas bewirbt bei uns eher ein “jetzt will ich das Produkt erst recht nicht!“ als ein euphorisches “ja, ich will dieses Produkt besitzen!“ auslöst. Andersherum – wenn ein Blogger sehr sympathisch und nett ist, kaufe ich gerne mal Produkte nach 🙂 Wie ist das bei euch?
Noch scheint Quantität vor Qualität zu gehen, vielleicht ändert sich das ja mit der Zeit.

2. Ehrlichkeit – trotz gesponsorter Produkte

Bloggersicht: Die Meinungen von Bloggern werden mal mehr oder mal weniger von potentiellen Kunden gelesen. Sie können die Kaufentscheidung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen – daher sollten Blogger immer ehrlich sein, was natürlich oft schwierig ist – denn wir sind ja alles liebe Menschen und haben gelernt, dass wir uns gebührend bedanken sollten, wenn wir etwas geschenkt bekommen. Sprich, es ist normal, dass wir Hemmungen haben über gesponsorte Produkte herzuziehen, selbst wenn das der Wahrheit entspräche. Aber es geht – mein Lieblingsbeispiel ist die liebe Jettie von Give the Bitch her Chocolate. Sie nimmt keinen Blatt vor den Mund und so manch ein gesponsortes Produkt wird bitter – aber ehrlich auseinandergenommen. Das macht sie glaubwürdig, lesenswert und interessant – sowohl für Leser als auch für Unternehmen – wobei diese bis zu ihrem Review zittern müssen 🙂

Summer: Mit Ehrlichkeit hatte ich bis jetzt noch keine Probleme, weil ich ungefähr 80% der Anfragen abgelehnt habe, weil ich nicht hinter den Produkten stand. Sehr gut erinnern kann ich mich an ein Bildbearbeitungsprogramm – welches einfach grausig aussah und ich hätte keinen einzigen Positiven Satz darüber rausbringen können. Umso lustiger fand ich das, kurze Zeit später auf anderen Blogs zu lesen wie toll das Produkt doch sei… hmm… vielleicht fanden die das ja wirklich toll, aber das kann ich mir so schwer vorstellen… Die Kooperationen die ich angenommen habe, hinter denen stehe ich zu 100% und ich nehme sie auch ernst und mache mir Gedanken darüber, wie ich es am besten visuell darstellen kann. Aber auch da würde ich meinen Ärger Luft machen wenn etwas ganz und gar nicht einem guten Service/ Produkt entspricht. Ich möchte nicht, dass man an meiner Glaubwürdigkeit zweifeln muss.

Marketingsicht: Natürlich ist es die größte Katastrophe für ein Unternehmen wenn es negative Kritik über sich im Internet lesen muss. Aber wer sich dafür entscheidet, diese Art der Werbung zu schalten, der muss sich über die Konsequenzen bewusst werden. Es bringt absolut nichts eine positive Meinung vorzuschreiben, wenn das Produkt nicht überzeugt. Am Ende kaufen sich Kunden die Produkte wegen einer guten (erkauften) Bewertung und sind bitter enttäuscht – dann geht das Problem des Unternehmens erst richtig los! Aus einer gefakten positiven Review werden hunderte, tausende ehrliche Reviews im Internet – es gibt nichts schlimmeres als sich schnell verbreitende, enttäuschte Kundenreviews.

3. Willst du ein Ramschladen werden?


Bloggersicht: Stell dir diese Frage wenn du anfängst Anfragen zu bekommen. Ich weiß dass man sich unglaublich über Kleinigkeiten freut die man geschenkt bekommt. Aber für Töpfe Werbung zu machen obwohl man eigentlich einen Fashionblog im Kopf hat, hindert einen daran diesen Weg weiter zu verfolgen. Jeder Blogger muss seinen Wert erst langsam ausloten – aber wenn man gleich zu Anfang jede Kooperation annimmt, weil man vielleicht 10% Rabatt auf Küchenartikel bekommt oder ein paar Duftkerzen geschenkt bekommt etc., dann bestimmt das oft den weiteren Weg eines Blogs – und von meinen Beobachtungen her, meist eher weniger positiv – weil viele in diesem Trott verbleiben und immer weiter unnötige Sachen annehmen und diese in den Himmel loben und bewerben. Oft ist die Qualität auch noch extremst schlecht. Schlechte Bilder. Unglaubwürdig positiver Post – Urgh, ich bekomme da immer eine Gänsehaut, sorry 🙁
Auch hier: gut gestaltete Testblogs haben absolut ihre Daseinsberechtigung!

Summer: Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass ich erst mal eine ganze Zeit lang keine Kooperationen angeboten bekommen habe. Die ersten kleinen Kooperationen habe ich dankend angenommen und daraus wurden Gewinnspiele für meine Leser. Natürlich ist das für mich ein kleiner Erfolg gewesen und ich habe mich gefreut etwas mit meinen Lesern teilen zu können. Danach habe ich weiter Anfragen bekommen – eben zu den genannten 10% Rabatt Konditionen oder in Form von Testprodukten – und ich habe mich dagegen entschieden. Ich brauche keine 1000 kleine Dinge zu Hause die sich irgendwo in der Ecke stapeln. Nach und nach kamen dann hochwertigere Kooperationen rein – aber auch diese lasse ich mir nicht unbedingt zu den gebotenen Konditionen vorschreiben. Es wird schwieriger, weil man verhandeln muss etc., aber wenn es mir nicht passt, dann mache ich keine Werbung. Ich versuche den Wert meines Blogs gerade für mich auszuloten und finde es unheimlich schwierig. Aber das ist eine Sache, die jeder für sich machen muss – daraus gewinnt man sehr viel Selbstbewusstsein und Erfahrungen in der Kommunikation mit PR Agenturen oder Unternehmen. Wenn mir eine Kooperation zusagt, dann tobe ich mich wahnsinnig gerne kreativ für diese Unternehmen aus – denn in erster Linie macht mir das Bloggen einfach spaß!

Marketingsicht: Wenn ich ein Teil der Marktkommunikation eines Unternehmens wäre, dann würde ich mich fragen, ob ich mein Produkt oder meinen Service auf einem Blog bewerben lassen möchte, der im übertragene Sinne eben den Eindruck eines Ramschladens macht. Selbst wenn ich ein ’normales‘ Unternehmen wäre würde ich mir die Wahl gut überlegen. Ich würde mir als Unternehmen qualitativ gute Werbung wünschen, die genau meine Zielgruppe anspricht. Denn auf den einzelnen verteilt mag Werbung via Blogs noch recht billig sein – aber auf alle Blogger hochgerechnet, ich glaube, da verlieren die Unternehmen im Moment noch mehr als dass sich die Werbung lohnt.

4. Verkaufe dich nicht unter Wert!


Das ist DIE Floskel in der Blogosphäre – leider kann ich sie absolut nicht mehr hören. Welchen Wert wird denn gemeint? Denn, wenn wir anfangen, haben unsere Blogs, so hart es klingt, erst mal gar keinen Wert. Oder würdet ihr Geld für eine Werbung auf einem Blog mit Null Lesern zahlen?
Noch einfacher: Stellt euch folgende Situation vor (kann man sehr oft in Foren wie bei KK beobachten): ihr habt 500 Leser – habt ihr da Lust auf eine gegenseitige Blogvorstellung mit einem Blog, welches 2 Posts vorzuweisen (sprich null Referenz) und null Leser (keine Reichweite) hat? Selbst wenn, was habt ihr davon? Nichts 🙂

Wie weiter oben schon erwähnt, ich bin auch am schauen, welchen Wert mein Blog haben könnte. Es gestaltet sich als schwierig, aber das ausprobieren und ausloten ist für mich eine sehr spannende Sache und ich denke, hier muss jeder alleine durch.

_______________________________________________

Ich habe das Gefühl, dass das Konzept des Werbens auf Blogs noch nicht ganz so ausgereift ist – zumindest in Deutschland. Die Unternehmen tasten sich so langsam heran und wissen selbst noch nicht  so genau was gut ist und was nicht. Sie haben oft NULL Hintergrundwissen über die Blogger (richtige Kleidergröße, Sympathie, passen sie zu unserem Unternehmen – Corporate Image) und lassen sich meiner Meinung nach oft von der reinen Leserzahl von Google Readers blenden, welches nicht mehr aussagekräftig genug um den ‚Erfolg‘ eines Blogs zu beurteilen. “High End“ Produkte auf Blogs von 14 Jährigen zu platzieren, die eher eine jüngere Zielgruppe anspricht, welches meistens weniger Geld zur Verfügung hat, macht für mich zum Beispiel erst mal keinen Sinn – auch wenn man durch Google auf die Seite verwiesen wrden könnte.

Welcher Wert hat denn euer Blog für euch?

Liebe Grüße,
eure Summer

Coming up next:
Kritik, Hater oder das Totschlagargument: “Kritiker sind doch eh alle nur neidisch“

Wie geht ihr mit Kritik um? Sind das für euch alles nur Neider? Hattet ihr schon mal Hater? Greift euch das an? Wie geht ihr mit Hater um?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.